Weg ins Büro – ein depressiver Monolog

…auf dem Weg ins Büro…
eine kurze Strecke durch die Stadt…
eine kleine Fahrt mit der U-Bahn…
da sitzen sie dann…
die armen gequälten Seelen menschlicher Existenz die sich an ihre kleinen Aktenkoffer, Taschen und Handys krallen als sei dort ihr ganzes Leben drin… bereit um es gegen jeden bis aufs Blut zu beschützen der ihm zu nahe kommt.

Da stehe ich und beobachte ihre trostlosen und schlaffen Gesichter und warte…
warte darauf das irgendwas passiert…
irgendwas…
scheiß egal was…
aber nichts passiert…
wie immer…
Es ist der gleiche beschissene Tag wie zuvor… und davor und davor…

Eine Durchsage „Aegidientorplatz“…
Scheiße, ich muß raus!
Vor mir im Sitz erwacht eine junge Frau zum Leben…
als hätte man ihr einen Schlüssel in den Rücken gesteckt und sie damit aufgezogen…
schon rattert das kleine Uhrwerk los und erfüllt die sonst leblose Hülle mit Leben…
Hektisch rafft sie ihren wertlosen Plunder, den sie fein säuberlich auf dem Nachbarsitz ausgebreitet hat zusammen und stopft ihn eilig in ihre Handtasche… die vermutlich eines dieser türkischen Immitate zu sein scheint… und stürzt zur Tür raus…
zack…
einfach so…
weg ist das kleine Uhrwerk…
eben noch da, jetzt weg…

Ich steige ebenfalls aus und verlasse dieses deprimierende Schauspiel, um mich meinem eigenen Trauerspiel zu widmen… dem Weg ins Büro…

Die wenigen Stufen von der U-Bahn an die Oberfläche nehme ich rasch…
ich muss hier raus an die kühle Luft und den Gestank von nassem Hund vermischt mit Perfum unterschiedlichster Art hinter mir lassen…
Der Morgen ist trüb, grau und kalt.

Nur noch wenige Minuten bis zum Eingang ins Büro. Auf dem Weg dahin überholen mich schon eilig die ersten Kollegen rechts und links, sie überrollen mich förmlich…
sie wollen ja nicht zu spät kommen…
ich denke bei mir…
wahrscheinlich ist es die Sorte Mensch die auch zum Sterben pünktlich sein will, um ein Bienchen zu bekommen…
wie krank denke ich so.

Ich sitze an meinem kleinen Bildschirm, klimatisiert, koffeeiniert, aufgereiht, abgelegt und weg-gestapelt wie die anderen um mich herum und „tue etwas“… schiebe, tippe und kopiere Zahlen hin und her, ersetze Nullen durch Einsen und Einsen durch Nullen… das war’s… „ich tue was“…

Mittag… Fütterungszeit…
erst langsam und immer plötzlicher erwachen die versteinerten Mumien hinter ihren Monitoren… geschäftiges trippeln und trampeln gelangt aus dem Flur zu mir rüber…

Allen voran „Chef“ mit staccatoartigen Schritten, im Schlepptau die Parade seines Zimmers… an zweiter Stelle direkt hinter ihm, sein „Zögling“ und „Arschkriecher himself“…

Beim Anblick dieser Szenerie stelle ich mir in meiner Fantasie vor, wie „Chef“ und „Zögling“ sich gegenseitig in ihrem heimischen Keller auspeitschen und das toll finden… sich bewußt frivol mit „Sau Nr.1“ und „Sau Nr.2“ anreden… pervers ist das… ich muss den Gedanken abschütteln… aber im ernst… welche Aufgabe hat denn so ein Arschlecker? Gibt es dafür spezielle Arbeitsverträge oder so?

Ich lasse diese perfide Treiben bewußt gelassen an mir vorüber ziehen… ich stehe in meiner Bürotür und täusche mit der Tasse in der Hand vor zum Kaffeeautomaten zu wollen, nur um mich diesem Tross aus Eitelkeiten nicht anschließen zu müssen…

Ich warte noch…

Ok, sie sind weg, ich stelle meine Alibi-Tasse zurück und flitze schnell durchs Treppenhaus um vor ihnen beim Essen zu sein… klappt immer… die Idioten.

Unaufhörlich pumpt die einzige geöffnete Tür Menschenmassen in den Speisesaal, gleich einer offenen Wunde aus der das Blut herauspulsiert und blubbert…

In meiner Panik stürze ich mich wie bescheuert auf die erste Essensausgabe, ohne genau zu wissen was es dort gibt…
egal…
scheißegal…
so schlimm wird’s schon nicht werden…

Glück gehabt, vegetarisch, das geht…

Schlimmer hat es die armen Schweine an Ausgabe III erwischt, die müssen sich jetzt den ganzen Büronachmittag mit dem verdauen des total fettigen Sauerbratens herumquälen…

Ich lasse mir Zeit beim essen…

Ich werfe einen kurzen Blick zur Tür… es pulsiert und blubbert immer noch… Vollkommen zwecklos sich dort wie ein Lachs gegen die Strömung zu werfen…

Gelangweilt beginne ich damit „sie“ zu beobachten… jeden einzelnen von ihnen… beobachte wie sie in sich hinen-mampfen, stopfen und schaufeln, wie sie gekonnt mit ihren Händen in Gesprächen artikulieren… ihre scheinbar frisch einstudierten Gesten die eigentlich ihre Einspurigkeit verdecken sollen, wirken eher wie ein Anfall von Parkinson auf mich…
Ich muss innerlich lachen, „Parkinson… der war gut“.

Ich picke mir einen für meine „Sozialstudie“ heraus… so nenne ich das wenn ich andere beobachte und sie dabei siziere…

Ah… den da… den nehme ich…
ein kleiner dicker Typ, mit vor geschobenem Kinn, der ein bisschen wie „Shreck“ der Oger aussieht… ich denke bei mir: „Oger, es gibt sie wirklich…“



Das ist es also was wir Leben nennen?… Beschiss ist das… Beschiss!

wird fortgesetzt…

NK. © Copyright

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